Frankfurt Days

Thursday, March 31, 2005

Eiszeit

(von Susanne, 6. Klasse)

Ich schlüpfe in meine Trainingsjacke, schultere meine Tasche und laufe nach draußen.

Im Autofenster rasen Läden, Restaurants und Wohnhäuser vorbei; ihre Umrisse verschwimmen und die Farben laufen ineinander über wie die Farben eines Tuschkastens, die man mit zu viel Wasser auf das Papier gebracht hat. An den Straßenseiten liegt grauer Schnee und von den Dächern hängen Eiszapfen, die von der Sonne zum Schillern gebracht werden.

Der Kies knirscht unter den Reifen. Im Auto ist es fast noch kälter als draußen. Ich sehe meinen heißen Atem. Ich male unsichtbare Bilder an die Scheibe. Meine Mutter fährt auf den Parkplatz.

Ich steige aus, schnappe die Tasche und knalle die Autotür zu. Eilig steige ich die Treppe hoch. Man kann nicht auf das Stadion sehen, denn eine Hecke umgibt es. Ich laufe den Weg um das halbe Eisstadion herum. Schließlich ist der Blick frei auf die Eisfläche. Ich lehne mich gegen den Zaun.
Weißbläulich liegt sie da, etwas tiefer in der Erde. Links und rechts fallen die Hänge steil ab. Der Schnee liegt hoch und weiß darauf. Kahle Bäume mit einem weißen Film überzogen stehen dicht neben der Hecke auf dem Weg. Von diesem Weg kann man auf das Stadion blicken, dessen kalte Farben strahlen, wie nur Eis strahlen kann. Alles liegt so ruhig und schön da, obwohl tausend Leute sich schon an der Bande tummeln.

Ich reiße mich los und gehen in das Gebäude, die Treppe hinunter zu den Umkleiden. Rasch ziehe ich meine Schlittschuhe an und gehe hinaus. Von hier sieht man nicht viel. Man kann hoch zu dem Weg und der Hecke blicken, doch nun zieht die Tür zur Eisfläche einen magisch an.

Ich ziehe die Kufenschoner aus und steige aufs Eis. Vertraut leicht wird auf einmal mein Körper. Ich stoße mich ab, so kraftvoll sind meine Schritte nun.
Ich fühle mich stärker als auf der trockenen Erde. Es ist als würde ich fliegen.

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