Predigt am Ostersonntag 2004 im Gemeindezentrum Neubiberg und am Ostermontag in der Jubilatekirche.
Predigttext: 1 Kor 15, 1-11
15,1 Ich erinnere euch aber, liebe Brüder, an das Evangelium, das ich euch verkündigt habe, das ihr auch angenommen habt, in dem ihr auch fest steht,
2 durch das ihr auch selig werdet, wenn ihr's festhaltet in der Gestalt, in der ich es euch verkündigt habe; es sei denn, daß ihr umsonst gläubig geworden wärt.
3 Denn als erstes habe ich euch weitergegeben, was ich auch empfangen habe: Daß Christus gestorben ist für unsre Sünden [a] nach der Schrift;
4 und daß er begraben worden ist; und daß er auferstanden ist am dritten Tage [a] nach der Schrift;
5 und daß er [a] gesehen worden ist von Kephas, [b] danach von den Zwölfen.
6 Danach ist er gesehen worden von mehr als fünfhundert Brüdern auf einmal, von denen die meisten noch heute leben, einige aber sind entschlafen.
7 Danach ist er gesehen worden von Jakobus, danach [a] von allen Aposteln.
8 Zuletzt von allen ist er [a] auch von mir als einer unzeitigen Geburt gesehen worden.
9 Denn [a] ich bin der geringste unter den Aposteln, der ich nicht wert bin, daß ich ein Apostel heiße, [b] weil ich die Gemeinde Gottes verfolgt habe.
10 Aber [a] durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin. Und seine Gnade an mir ist nicht vergeblich gewesen, sondern ich habe viel mehr gearbeitet als sie alle; nicht aber ich, sondern Gottes Gnade, die mit mir ist.
11 Es sei nun ich oder jene: so predigen wir, und so habt ihr geglaubt.
Ich freue mich, weil Ostern ist. Ich wünschte mir, dass es Ihnen genauso ergeht! Die Passionszeit ist vorbei. Es ist schön, dass Ostern bei uns mit dem Frühling zusammenfällt. Alles blüht, na, ja in diesem Jahr sind die Blüten noch etwas spärlich, aber sie kommen, und manche sind schon da.
Wir feiern Ostern, die Auferstehung Jesu Christi!
Ostern ist der Beginn einer neuen Realität! Die Realität Sterben und Tod sieht sich einer neuen Realität, der des Lebens gegenüber. Normalerweise läuft alles Leben auf den Tod zu. Das bestimmt unser Denken, Fühlen und Handeln. Doch Ostern ändert dies radikal. Jesus ist auferstanden! Das Leben geht weiter. Die Frauen morgens am Grab und später die Jünger sind allerdings darauf überhaupt nicht vorbereite. Die Frauen fliehen, als sie hören, dass Jesus lebt. Die Männer, die später mit ihm nach Emmaus gemeinsam wandern, erkennen ihn nicht. Sie gehen zusammen, sie reden miteinander und erkennen ihn nicht. Als sie endlich begreifen, mit wem sie unterwegs sind, gemeinsam essen wollen, da hält sie nichts mehr. Sie gehen denselben Weg zurück nach Jerusalem, den sie gerade gekommen sind. Eine Kehrtwende nennt man das. Ein Grund, der Grund zum Feiern!
Jetzt denken Sie vielleicht: Na ja, die Realität sieht in diesen Tagen ja ziemlich traurig aus, oder?
Ja, ich lese auch Zeitungen und weiß, dass heute Menschen sterben im Irak, in Kliniken, in Häusern. Ich weiß, dass viele arbeitslos sind, dass sie gern feiern möchten, aber es fehlt ihnen das Geld und oft auch die Hoffnung. Kann man angesichts dessen sich überhaupt richtig freuen?.
Aber das war doch immer so. Die Auferstehung Jesu passierte damals in Israel auch in einer Zeit größter Brutalität und Gewalt durch die römische Besatzungsmacht. Es war nie so, dass die Osterfreude groß wurde, in Zeiten des Glücks und des Wohlstands - nein, im Gegenteil. Besonders in der Nähe des Todes, oft am Grab eines Verstorbenen ist Kraft der Auferstehung Jesu am deutlichsten zu spüren.
Wir sind ja auch heute Morgen in den Gottesdienst gekommen, um diese Freude zu finden. Und viele von uns haben auch kein problemloses Leben, unser Alltag ist kein Rosengarten. So kommen wir und viele andere Menschen, um die Freude der Auferstehung zu erleben.
Wir kennen den Tod, wir kennen das Scheitern. - Umso mehr freuen wir uns, dass am Ende das Leben siegt, nicht der Tod! Der Glaube an die Auferstehung Jesu gibt unserem Leben eine neue Kraft, eröffnet neue Möglichkeiten, setzt uns frei aus den Bindungen der Angst.
Aber wozu sind wir frei? Werden Sie jetzt fragen.
Wir sind frei, uns für das Leben zu entscheiden statt des Todes. Wenn ich weiß, dass mein Leben ein gutes Ende haben wird - dann kann ich jetzt anders leben. Wenn ich keine Angst vor dem Tod haben muss, dann kann ich jetzt richtig lebendig sein; dann muss ich nicht angstvoll meinen Kopf unten halten "hoffentlich sieht mich keiner" - sonst geht's mir schlecht; sondern ich kann mich aufrecht hinstellen und mutig meinen Weg gehen, mutig Schwierigkeiten anpacken, nicht davon laufen, mich nicht verstecken.
So eine Haltung wäre auch genau das, was wir in Deutschland brauchten. Ich lese gerade ein sehr interessantes Buch von einem Volkswirt des IFO Institutes, Hans-Werner Sinn ("Ist Deutschland noch zu retten?"). Er sagt, dass Deutschland deswegen in einer schweren Krise steckt mit dieser hohen Arbeitslosigkeit, weil alle Menschen sich festklammern an dem, was sie besitzen, oder meinen, was ihnen zusteht. Er meint, dass wir derartig viele Absicherungen bezahlen, dass nichts mehr übrig bleibt zum Investieren und Leben.
Als Eltern kennen wir das: Wenn ich aus Angst vor Gefahr meine Kinder immer festhalte, sie immer bei mir behalte, dann verhindere ich, dass sie sich entwickeln, dass sie eigenen Erfahrungen machen. Natürlich muss ich in Kauf nehmen, dass sie einmal vom Fahrrad fallen und sich verletzen. Aber das gehört dazu. Das Leben lässt sich nicht durch Festhalten sichern, wenn wir wachsen sollen, brauchen wir Freiheit und Hoffnung.
Die Hoffnung, dass am Ende nicht der Tod steht, sondern die Auferstehung, ist heute wichtiger denn je. Und es ist unsere Aufgabe als Christen, diese Hoffnung immer wieder auszusprechen und in die Welt hinauszutragen. Die Menschen müssen wieder die Chance haben, das Leben zu wählen statt des Todes.
Ich habe die Geschichte gehört von einer Lehrerin, die in einer großen englischen Kinderklinik die jungen Patienten besuchte, die länger im Krankenhaus bleiben mussten. Sie arbeitete mit ihnen, damit sie nicht zu viel vom Stoff ihrer Klasse versäumten. Eines Tages bekam sie einen Anruf von einer Lehrerin, die sie bat, einen ihrer Schüler zu besuchen, die seit einiger Zeit im Krankenhaus lag. "Bitte üben Sie mit ihm vor allem den Gebrauch von Adverbien in Sätzen - das nehmen wir gerade durch." sagte seine Lehrerin. Die Lehrerin vom Krankenhaus versprach, mit dem Jungen zu arbeiten.
Erst als sie am nächsten Morgen vor dessen Bett stand, merkte sie, dass der 9 jährige Junge in einem Spezialbett für Verbrennungen lag. Große Teile seiner Haut waren verbrannt und er litt sehr starke Schmerzen. Niemand hatte ihr gesagt, dass es diesem Jungen so schlecht ging. Aber die Lehrerin hatte das Gefühl jetzt auch nicht einfach wieder hinausgehen zu können. Also setzte sie sich und begann. "Hallo, ich bin die Lehrerin hier im Krankenhaus. Deine Lehrerin zu Hause hat mich geschickt. In deiner Klasse übt ihr gerade, wie man Adverbien richtig verwendet, und sie meinte, ich sollte heute ein bisschen mit dir üben, damit du nicht zu viel verpasst." Der Junge nickte, und so begann die Lehrerin mit ihm zu üben. Der Junge konnte nur sehr mühsam sprechen, und die Lehrerin hatte ein schlechtes Gewissen, dass sie den armen Jungen mit seinen Schmerzen jetzt auch noch mit Adverbien belastete. Nach einer halben Stunde ließ sie es gut sein.
Am nächsten Morgen traf sie die Stationsschwester "Was haben Sie nur mit dem Jungen gemacht?" rief diese. Es täte ihr Leid, entschuldigte sich die Lehrerin, niemand habe ihr gesagt, wie schlimm es um den Jungen stand. Sie hätte auch wirklich nur ganz kurz mit ihm gearbeitet. Aber sie wisse selbst, dass das ein Fehler war, dass er gar nicht in der Verfassung sei, jetzt einem Unterricht zu folgen.
"Sie verstehen mich nicht" sagte die Stationsschwester. "Wir haben uns große Sorgen um ihn gemacht. Aber seit ihrem Besuch gestern hat sich seine Einstellung völlig geändert. Jetzt will er wieder gesund werden, die Behandlung spricht an. Es ist, als hätte er sich entschieden zu leben."
Wochen später erzählte der Junge, dass er sicher war, sterben zu müssen an seinen Verbrennungen bis zu dem Tag, als die Lehrerin zu ihm kam. "Sie würden doch nicht eine Lehrerin schicken, die Adverbien übt zu einem Jungen, der stirbt, oder?" meinte er.
Diese wunderbare Geschichte lädt uns ein, das Geschenk des Lebens zu feiern, auch wenn wir umgeben sind, von Angst, Sorge, Schmerz und Enttäuschung. Gerade in Situation von Leid ist die Kraft der Auferstehung sehr intensiv zu spüren!
Gerade als Frauen und Männer in einer Welt, wo es nur noch sehr wenig gibt, was wirklich gilt, worauf man sich wirklich verlassen kann, gerade hier sehnen wir uns nach Zeichen der Hoffnung und der Auferstehung von den Toten. Wir sehnen uns nach der Gewissheit, dass Gott wirklich bei uns ist. Das ist die Hoffnung, die uns an Ostern geschenkt wird. Wir können hoffnungsvoll leben, denn Christus ist von den Toten auferstanden, und das ist die Grundlage für unsere Hoffnung, dass unser Leben nicht in der Dunkelheit und im Scheitern enden wird, sondern im hellen Licht Gottes.
Wir sollten nicht unterschätzen, welche Kraft und Hoffnung die Nähe Gottes geben kann! Da gab es einen Mann, dessen Hobby war Rosen zu züchten. Und immer wenn er in seinem Garten arbeitete, seine Rosen pflegte, pfiff er. Lieder. Allerdings fiel den Nachbarn auf, dass er immer sehr laut pfiff. Viel lauter, als man sonst so ein Liedchen pfeift. Eines Tages am Gartenzaun plauderte ein Nachbar mit ihm über seine schönen Rosen. Er erwähnte auch das Pfeifen und meinte, dass er so kräftig pfeife, dass man es auch im Haus hören würde. Da sagte der Rosenliebhaber zum Nachbarn: "Bitte kommen Sie doch mal auf einen Sprung herüber. Ich will Ihnen meine Frau vorstellen!" Der Nachbar folgte der Einladung. Die Frau des Rosenliebhabers saß im Wohnzimmer im Rollstuhl. Gelähmt. Aber zudem war sie blind. Sie begrüßte den Nachbarn freundlich. "Wissen Sie," sagte der Rosenliebhaber, "ich pfeife nicht für mich, sondern für meine Frau. Wenn sie mich im Garten pfeifen hört, dann ist sie beruhigt, weil sie weiß, sie ist nicht alleine, ich bin in ihrer Nähe."
Darum ist es so wichtig, dass wir immer wieder von der Auferstehung Christi hören. Auch wir müssen immer wieder hören, dass wir nicht allein sind, ganz auf uns gestellt in einer harten Welt. Wir müssen von Christus hören, damit wir spüren: Wir sind nicht allein. Da ist jemand, der sorgt sich um mich. Da ist jemand, der mich hält. Jeden Tag. Der sogar die Macht über den Tod besiegt hat.
Die Nähe und Kraft Gottes hören wir in den Geschichten der Auferstehung. Wie der Apostel Paulus sagt: Ich erinnere euch aber, liebe Brüder, an das Evangelium, das ich euch verkündigt habe! Aber es gibt noch mehr: Wir können im alltäglichen Leben auch Zeichen der Kraft der Auferstehung entdecken! Ein Kind wird geboren. Eine schwer kranke Frau wird gesund. Frauen und Männer engagieren sich in ihrer Kirche. Schenken viel Zeit, Energie und Geld. Heute ganz aktuell wird Ihnen Herr Haase ein neues Projekt unserer Kirchengemeinde vorstellen: Wir wollen Menschen, die aus der Kirche ausgetreten sind, wieder gewinnen. Vielleicht wollen Sie sich dabei einklinken? Ja, es gibt sichtbare Zeichen der Hoffnung, der Aufstehung jeden Tag um uns herum.
Besonders wichtig sind die Zeichen der Hoffnung, wenn wir dem Tod ist Auge sehen müssen. Das kann unser eigener Tod sein, aber auch das Scheitern einer großen Hoffnung. Das Scheitern im Beruf, dass Zerbrechen einer großen Liebe. Genau dann brauchen wie die Kraft der Hoffnung. Und dann brauchen wir jemand anderen, der uns diese Hoffnung bezeugt, der uns hinweist auf Christus, auf die Auferstehung. Darum brauchen wir Christen einander. Denn wenn ich selbst im Loch stecke, kann ich mir nicht selbst Mut mache. Ich brauche jemanden, der mit Mut zuspricht. Deswegen hat Christus alle Christen aufgerufen, füreinander da zu sein, für einander Hoffnungsträger zu sein. Dem anderen die Hand zu reichen, wenn der am Boden liegt. Das Lied der Hoffnung zu singen, zu pfeifen, damit es die hören, die Angst haben und einsam sind. Die Osterfreude aussprechen und ausleben.
Amen

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